Strozzi

I
Strọzzi,
 
seit dem 13. Jahrhundert nachweisbares florentinisches Patriziergeschlecht, meist Gegner der Medici und oft von diesen in die Verbannung geschickt. Als Bankiers zu Reichtum gelangt, hervorragend auch auf literarischem, künstlerischem und kirchlichem Gebiet, traten die Strozzi im 15. und 16. Jahrhundert als Mäzene hervor. - Bedeutende Vertreter:
 
 1) Filippo, genannt il Vecchio [- 'vekkjo, »der Ältere«], Kaufmann und Bankier in Neapel, * Florenz 4. 7. 1428, ✝ ebenda 15. 5. 1491; Sohn der klugen und energischen Alessandra Strozzi, geboren Macinghi (* 1406, ✝ 1471). Als Förderer der Kunst betraute er 1489 Benedetto da Maiano mit dem Bau des Palazzo Strozzi, der von seinen Erben vollendet wurde. Kranzgesims und Hof stammen von Cronaca. Strozzis Grabmal in Santa Maria Novella (Florenz) und Bildnisbüsten (Berlin, Paris) schuf ebenfalls Benedetto da Maiano.
 
 2) Giovan Battista, genannt il Vecchio [- 'vekkjo, »der Ältere«], italienischer Dichter, * Florenz 10. 3. 1505, ✝ ebenda Dezember 1571, Onkel von 3); ab 1540 Mitglied der Akademie von Florenz; war nach eigenwilligen petrakistischen Anfängen einer der bedeutendsten Madrigaldichter seiner Zeit (»Madrigali«, herausgegeben 1593), dessen Werk auch nach Frankreich und Spanien wirkte. Seine Urheberschaft des Epigramms auf Michelangelos Skulptur der Nacht ist zweifelhaft.
 
Ausgaben: Madrigali (1909); Lirici del Cinquecento, herausgegeben von L. Baldacci (1975); Madrigali inediti, herausgegeben von M. Ariani (1975).
 
 3) Giovan Battista, genannt il Giovane [- 'dʒovane, »der Junge«], italienischer Schriftsteller, * Florenz 29. 3. 1551, ✝ ebenda 1634, Neffe von 2); war u. a. Mitglied der Akademie von Florenz; beteiligte sich an der Diskussion über T. Tassos Epos »La Gerusalemme liberata«. Der größte Teil seines umfangreichen Werkes (Sonette, Madrigale, historische und philologische Prosaschriften) ist bisher nicht ediert. Strozzi wirkte v. a. als Förderer der schönen Künste und der Literatur.
 
II
Strọzzi,
 
1) Bernardo, genannt il Prete Genovese [- dʒeno'veːse] oder il Cappuccino [- kapput'tʃiːno], italienischer Maler, * Genua 1581, ✝ Venedig 2. 8. 1644; ab 1598 Kapuziner, ab 1610 Weltgeistlicher; ging 1630 nach Venedig. Durch seine malerische Begabung und fesselnde Wirklichkeitstreue unter Einfluss der Caravaggisten in seiner Heimatstadt sowie seine geschickte Verarbeitung fläm. Einflüsse wurde Strozzi zunächst führender Barockmaler der genuesischen Schule und gewann später bedeutenden Einfluss auf die venezianische Malerei. Er malte häufig Halbfigurenbilder, sowohl Altar- und Andachtsbilder als auch repräsentative Porträts.
 
Werke: Die Köchin (Genua, Palazzo Rosso); Das Gleichnis vom Zinsgroschen (zahlreiche Fassungen, um 1630; München, Alte Pinakothek); Heiliger Sebastian (Venedig, San Benedetto); Heiliger Lorenz (ebenda, San Niccolò da Tolentino); Die Predigt Johannes' des Täufers (Wien, Kunsthistorisches Museum); Doge Francesco Erizzo (ebenda und Venedig, Accademia); Bildnis Prokurator Giovanni Grimani (ebenda, Palazzo Barbaro); Gastmahl bei Simon (ebenda, Accademia); Kardinal Federico Correr (ebenda, Civico Museo Correr); Verkündigung an Maria, zwei Fassungen (Budapest, Magyar Szépmüvészeti Múzeum).
 
 2) Tito Vespasiano (Beiname erst um 1460 als gelehrte Anspielung auf den römischen Kaiser Titus Flavius Vespasianus), italienischer Humanist, * Ferrara 1425, ✝ Raccano (heute zu Polesella, Provinz Rovigo) 30. 8. 1505; Schüler G. Guarinis. Die meisten seiner zahlreichen poetischen Werke sind inhaltlich oder durch Widmung eng mit dem Geschlecht der Este in Ferrara verknüpft. In gewandten Versen verfasste er u. a. drei Sammlungen von Liebeselegien in der Tradition der röm. Elegiker, einige Epyllien und eine Sammlung Eklogen im Geist der vergilischen Hirtendichtung, mit denen er selbst eine nachhaltige poetische Tradition begründete. Seine Dichtung krönte Strozzi mit der »Borsias«, einem Versepos auf Borso d'Este und dessen Familie, das er aber im 10. Buch abbrach. Ferner übersetzte er F. Petrarcas »De vita solitaria« ins Italienische.
 
Ausgabe: Die Borsias, herausgegeben von W. Ludwig (1977).
 

Universal-Lexikon. 2012.

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